Fußballrhetorik

Es gibt Begriffe, die gibt es nur im Reiche der Fußball-Kommentatoren. Insbesondere Kombinationen und Adjektive. Bestes Beispiel: eklatant. Kennen wir fast nur von “eklatante Abwehrschwächen”. Gut auch “er tankt sich durch”. Der “Diagonalpass”, der “Steilpass”.

Hast Du was gegen Kusch?

ir benötigen eine griffige Formel, wie wir zur Bürgerschaftswahl Roger Kusch mit seinen Sektierern von „HeimatHamburg“ lächerlich machen können. Es muss schön pubertär sein, aber nicht zu primitiv. Außerdem darf es nicht um Inhalte gehen, sondern soll einfach nur lächerlich machen. Noch gibt es keine zündende Idee. Perfekt wäre in Frankreich auf den Wahlplakaten von Jean-Marie Le Pen der Zusatz „IS“ gewesen. Über „Le Pen is“ hätten sich die FN-Anhänger bestimmt schwarz geärgert.
Die ersten Versuche sind:

  • „Flaschen kuschen“ (zu viel Um-die-Ecke-Denken nötig)
  • „Schill will kuscheln“ (mit so einer Andeutung macht man sich angreifbar – so von wegen „Habt ihr etwa was gegen Schwule?“
  • „Kuschi Muschi“ (schön anzüglich!)
  • „Heimat, Hamburg, hahaha“ (find ich bisher am besten, vor allem die Nullaussage!)

Und wie geht’s weiter: Spruch finden, 10.000 Aufkleber fertigen und dann nix wie loskleben!

Inflation!

Im Schatten der Denglisch-Verdammung lebt eine weitere Unart, die man bei einem Gang durch Ottensen gut bemerken kann: Die allzu häufige und weitgehen sinnfreie Verwendung bestimmter Begriffe, durch die das so genannt „Bionade-Biedermeier“ hindurchschimmert. Letztlich schwingt durch, was für uns heimelig ist: Gute alte Zeit, handgemacht, behaglich!

Beispielhaft die Wortbestandteile:

  • Manufaktur
  • Werk
  • Forum
  • Raum

Vielen lobenswerten Projekten, netten Läden und guten Ideen möchte ich gar nicht zu nahe treten – aber die Benamung kann beliebig durchgerattert werden.

  • Fahrradmanufaktur
  • Denkwerk
  • Kultwerk
  • Kulturforum
  • Gastraum

Weitere Beispiele willkommen! Schön wäre z.B. das Lustwerk (Puff mitten in der Schanze) oder die Bettenmanufaktur… (In Eppendorf, Alternative zu den Möbel-Maßanfertigungen in Polen).

Bei der Gelegenheit möchte ich noch meine generelle Genervtheit bei allen Etablissements namens „Sonderbar“, „Kost-bar“ und ewig geht es weiter zum Ausdruck bringen!

Hamburgreim

Du bist’n Typ und stehst auf Männer
Sankt Georg ist sodann Dein Renner

Lieber magst Getränk als Tanze
zieh doch bitte in die Schanze

Willst Du gern im Süden wohnen
würd sich Harburg für Dich lohnen

Selbst in tristen Ort Wandsbek
findet sich manch netter Fleck

Im ländlichen Stadtteil Rissen
fast nur feine Pinkel pissen

In Ottensen war mal die Szene
gibts dort jetzt nur noch Kinder, kleene.

In Eppendorf aufgedonnert’ Zahnarztfrauen
mit Louis-Vuitton-Hund gar lustig anzuschauen.

Hast Multikulti auf dem Zeddel?
Versuche es doch auf der Veddel!

In Wilhelsburg ist’s nicht so teuer
doch ist’s dir abends nicht geheuer.

Barmbek ist jetzt groß im Kommen
Man kann sich gar im Beachclub sonnen

Glaub’s mir mein Freund, in Bahrenfeld!
Bist Du als Ottensener nicht der Held.

Blankenese ist recht fein
Da kommt man nicht so einfach rein.

Bist Punker, Penner oder Rowdy!
Zieh bitte bitte nach Sankt Pauli

Mein Junge, nur in Altona
machst Du ganz sicher Frauen klar.

Wohnen wie ein alter Lude
geht ganz gut in Winterhude.

Aus dem schönen Eilbek
willst bald sicher nicht mehr weg.

Stellingen ist laut und lahm
doch der Tierpark ist nah dran!

Wer lebt mit Fliegern in Fuhlsbüttel
für den Oropax ist letztes Mittel

Warst Du schon in der City Nord?
Glaub mir, du willst wieder ganz schnell fort!

Feierreim

Von Martin (frisch überarbeitet)

Du bis so ultramega kraaaas,
dies’n erguss lesen macht Sauspaß!
Bist du wohl ein großer Dichter -
Am Abend gehn sie aus, die Lichter.
Samstag bist du noch viel dichter!
Warum? das ist doch Pflicht, er
sagt beherzt - und dann
setzt er den großen Maßkrug an
stürzt das Bier, welch eine Wonne
in seinem Herzen scheint die Sonne
Nun dreht sich alles auf den Kopf
danach muss er auf den Topf
doch nicht um das Geschäft zu machen -
Es rinnt was anderes durch den Rachen…
Danach kann es weiter gehn
schnell wollen wir woanders hin.
Am besten in die Baggi fall’n
obgleich: wir können nur noch lall’n.
Fürs tanzen reicht es sicherlich!
Doch das gibt uns ‘nen kleinen Stich:
sehn wir doch nur so Schicksen-Frau’n
nun denn - Zeit ist es, abzuhau’n
Denn der “Schlucki” wartet schon
Na klar, Reiner wieder in Hochform.
Wir geh’n schnell an die musikboggs
Denn: an der Theke nur Gesocks
Fix’n Pilsken auf die Hand
und dann mal mit Arsch anne Wand
denn da - oh Schreck - kommt Kerki rein
ignoriert uns - wie unfein
sein’ Stecher zieht er im Schlepptau.
Wir denken: Der ist ganz schön mau.
Weiter zieh’n wir dann ins MEC
da seh’n wir ordentlich Bauchspeck.
wo sind denn heut die Superweiber?
Wo seh’n wir tausend zuckende Leiber?
Los zur Cumberlandtschen Galerie
Schabracken sieht man da fast nie.
Doch vor uns baut sich jemand auf -
der Türsteher kreuzt unseren Lauf
sagt, wir sind voll, wir sind besoffen
“Geht nach hause, will ich hoffen!”
So trotten wir zum Bahnhof hin
Dort öffnet doch bald Burger King
Nen Whopper für den Appetit
oder lieber Döner mit Tsatsik?
Ieh! Ieh, schreit Sophie, macht kein’ Gestank!
Warum? Wir haben doch genug getankt
um was Würziges zu essen,
davon sind wir ganz besessen!
Dann lieber Pommes - Auch OK,
wir tun ihr ja so ungern weh!
Mit einer knobi-fahnenspitze
da sind wir doch ein klitze -
klitze kleines bisschen müd…
wir suchen uns jetzt noch Büd-
chen fürn letztes Absack-Bier
und dann geh’n nach Hause wir
finden wir das Schlüsselloch?
Bei Taglicht klappt das sicher doch!
Oh nein, der Schlüssel ist entzwei
ist uns jetzt auch einerlei
gehen wir Frühstücken schnell
nach dieser Nacht der beste Kraftquell!
Und: unsere Feier-Kondition
ist jetzt sicher ganz weit ob’n!

Von Dirk:

Ach welche Freude,
Wenn wir rufen: Leude
noch ein Bier her,
wir saufen noch mehr,
Kopfweh ist egal,
wir kennen die Qual,
viel schlimmer ist wenn wir am naechsten morgen, aufwachen vor
Sorgen: Handy, Schluessel, Portmonnaie?
Gott sei Dank, alles ok:)
Dann ist alles gut,
und wenn wir wohlgeruht
uns zum Katerfruehstueck zusammensetzen
uns anhand jedermanns Gedankenfetzen
den Vorabend rekonstruieren
und resumieren:
Spass hats gemacht,
wir ham viel gelacht,
das machen wir bald wieder
und wieder und wieder

Die rote Liste der bedrohten Wörter

(aus: www.bedrohte-woerter.de)

Teil 1: Personen

Schürzenjäger
Pantoffelheld
Pappenheimer
Pomadenhengst
Quacksalber
Zechbruder
Gimpel
Ganove
Spitzbube
Schuft
Strolch
Tippelbruder
Kurschatten
Hausierer
Halbstarker
Hundsfott
Hupfdohle
Junggeselle
Kuppler
Geck
Heißsporn
Beutelschneider
Dirne
Lude
Stinkstiefel
Schelm
Wendehals
Wuchtbrumme
Zimtzicke

Teil 2: Unsinn im Sinn

Kokolores
Tinnef
hanebüchen
flachsen
Brimborium
Fisimatenten
Flausen
Eumel
Larifari
Lorbass
Mumpitz
Schabernack
Schindluder
Ulk

Handywitz

Sagt der O2-Kunde: “Ich hab in meinem Büro Homezone.”

Sagt sein Kollege: “Ich schlafe auch öfters im Büro…”

Neulich auf der Plantage

“Ich bin der neue Paprikant!”

Eine Generationsfrage

In der lesenswerten Süddeutschen Zeitung gibt es ja das besonders lesenwerte SZ-Magazin. Diese Woche war ein Frühlingsgefühle-Heft dran, und ein Betrag war über einen alten Mann im Trauerjahr beschrieben.

Hierzu als Randnotiz die Generationsfrage in der Namensvergabe:

Urgroßeltern: Adam und Elisabeth (mit Adams Schwester Erika)

Großeltern: Evelyn und Paul

Eltern: Elke und Carolin

Kinder: Marvin und Kimberly

Moment, war das was? Leise wispern: “Früher war alles besser…”

Universell gültige Sprüche

Ein alter Traum: Sprüche die bei jeder Gelegenheit passen. Dies bracht, wer unsanft aus Träumereien gerissen wird und auch mal was sagen soll. Oder wer keine Ahnung hat, in einer Runde voller Alphatiere aber auch etwas zu sagen haben will.

 Also Teil 1:

Strategiemeeting: “Wir müssen erst einmal überlegen, worum es hier überhaupt geht.” Abwandelbar: “Wir müssen uns erst einmal überlegen, was wir wirklich wollen.”

Fußballspiel: “Sie müssen über den Kampf zum Spiel finden.”

Talkshow: “Letztlich zahlt das alles der Steuerzahler!”

Renterklub / Verein etc. “Wir müssen uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, woher wir kommen!”

In wehmütiger Runde: “Jaja, meine Lieben, es wird nicht leichter…”

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